Von Ferienakademie bis „Coding Bootcamp“

1968 wollen die Bischöfe publizistischen Nachwuchs systematisch fördern. Die ersten Kurse des neuen Instituts sind theorielastig. Doch Angebot und Nachfrage wachsen. Und nach 40 Jahren hat auch der „Wanderzirkus“ ein Ende.

Von Johanna Kempter

68er – bei diesem Stichwort denkt man an Bürgerrechtler und Blumenkinder, an Frankfurter Schule und Frauenbewegung, an Studentenproteste und sexuelle Revolution. Aber auch das ifp ist ein 68er: Das Institut wurde vor 50 Jahren – am 11. Oktober 1968 – im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz in München gegründet.

Vorangegangen war mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein grundsätzlicher Wechsel in der katholischen Kirche, der sich auch auf die kirchliche Haltung zu den Medien auswirkte. Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich die Kirche in Deutschland mit der Notwendigkeit, den publizistischen Nachwuchs systematisch zu fördern.

Nach Vorarbeiten zahlreicher Einzelpersonen und Kommissionen der Bischofskonferenz beschloss die Frühjahrsversammlung der Bischöfe im März 1968 die Gründung des ifp. Der Entwurf ging unter anderem zurück auf Pater Wolfgang Seibel, der von Bischöfen als Institutsleiter festgelegt wurde. Florian Hörlein hat ihn für die digitale Festschrift besucht.

Konkrete Ziele für das Institut gaben die Bischöfe nicht vor

Die Bischöfe haben laut Seibel bis auf eine Ausnahme keine konkreten Ziele vorgeben: „Das Einzige war, katholische Journalisten auszubilden für alle Medien, also nicht nur für die Kirchenpresse und den kirchlichen Bedarf.“ Gewünscht war keine kirchliche Hofberichterstattung, sondern objektiver, durchaus auch kritischer Journalismus.

Die geistlichen Direktoren des ifp

Seibel und der erste Geschäftsführer des Instituts, Wilfried Schwedler, entwickelten in den folgenden Monaten das Konzept für die Ausbildung der ifp-Stipendiaten. Es umfasste vier Säulen: individuelle Studienberatung, finanzielle Förderung wie zum Beispiel Büchergeld, Vermittlungen von Praktika und drei sogenannte Ferienakademien.

Die ersten Journalistenschüler begannen erst 1970

Mit so einer Ferienakademie startete im Sommer 1970 in Freising der erste Stipendiatenjahrgang seine Ausbildung. Das Programm war sehr theorielastig: So gab es etwa Vorträge über Presse-, Fernseh- und Medienarbeit sowie über kommunikationstheoretische und kirchlich-journalistische Themen. Die Schwerpunktsetzung änderte sich jedoch rasch: Schon zwei Jahre später stand die praktische journalistische Arbeit im Mittelpunkt der Ausbildung.

In den folgenden Jahrzehnten feilten die Mitarbeiter des Instituts ununterbrochen an Aufbau und Inhalten der Stipendiaten-Ausbildung, aber auch an der Bandbreite des ifp. Zahlreiche neue Aus- und Weiterbildungswege wurden neu entwickelt. Viele gehören bis heute zum Portfolio; etwa die Kurse für Volontäre von Medienhäusern wie dem Kölner „domradio“ und dem „Katholischen Sonntagsblatt Stuttgart“. Und das Institut entwickelt sich weiter: So wird derzeit die Volontärsausbildung reformiert: Ab Herbst 2018 durchlaufen die Nachwuchsjournalisten ihr Volontariat nicht mehr nach Hörfunk oder Print getrennt, sondern gemeinsam: im neuen, multimedialen „Volontariat in katholischen Medien“.

Die weltlichen Leiter des ifp

Die Kurse fanden über Jahrzehnte in drei verschiedenen Ländern statt

Prägend für das Institut war über Jahrzehnte der Wanderzirkus“: Das ifp hatte zwar durchgängig eine Geschäftsstelle in München – die Kurse fanden aber an verschiedenen Orten in Deutschland, Österreich und Italien statt. Im Laufe der Jahre reduzierte sich die Zahl der Ausbildungsorte auf München, das Fernseh- und Hörfunkstudio in Ludwigshafen (Ex-Kameramann Carl Marciniak und Absolvent Philipp Rudolf waren für die Festschrift noch einmal dort) und Augsburg. Diese Entscheidungen wurden im Institut kontrovers diskutiert – genauso wie die spätere Festlegung auf einen einzigen Standort.

Seit dem 1. April 2008 ist der Sitz des ifp das ehemalige Kapuzinerkloster Sankt Anton in München. Trotz anfänglicher Kritik hat sich diese Konzentration bewährt: Sankt Anton ist eine Art Abbild der multimedialen Welt. Unter einem Dach befinden sich Studios und alle weiteren für eine zeitgemäße Ausbildung notwendigen Einrichtungen sowie Gästezimmer für die Kursteilnehmer und die ifp-Geschäftsstelle. Unter der Leitung des Geistlichen Direktors, Bruder Helmut Rakowski, und des Journalistischen Direktors, Bernhard Remmers, finden hier sämtliche Kurse des ifp statt. Seien es Klassiker wie die Stipendiatenausbildung oder neue Fortbildungsangebote wie das „Coding Bootcamp“ für Journalisten und die Führungsakademie, in der sich Frauen und Männer auf Leitungsaufgaben in den Medien vorbereiten.

Die Liste prominenter Absolventen ist lang

In seiner 50-jährigen Geschichte hat das Institut viele große Namen hervorgebracht. „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat hier ebenso volontiert wie die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Bettina Schausten. Heribert Prantl, Chefredaktionsmitglied bei der „Süddeutschen Zeitung“, hat im Institut vor Jahrzehnten seine Stipendiatenausbildung absolviert – und trifft im SZ-Redaktionsgebäude viele junge ifp-Absolventen wie die Datenjournalistin Vanessa Wormer.

Sie alle haben die gleiche Schule durchlaufen. Eine Schule, die unabhängige und der Wahrheit verpflichtete Berichterstattung lehrt und dabei – wie Wolfgang Seibel betont – „keine Sondervorschriften für Katholiken“ aufstellt. Dazu passt auch die konfessionelle Öffnung des Instituts: Seit 2016 können sich zum Beispiel evangelische und konfessionslose Nachwuchsjournalisten um ein Stipendium oder Volontariat bewerben. Felix Keßler ist einer der ersten, die die Chance genutzt haben.

Für ifp-Journalisten gilt laut Seibel, dass sie wie alle ihre Berufskollegen zuerst der Wahrheit verpflichtet sind. „Die Journalisten dürfen die Wirklichkeit nur so wiedergeben, wie sie in der Tat ist. Wenn Vertreter und Amtsträger der Kirche ein anderes Bild der Kirche in der Öffentlichkeit haben wollen, dann müssen sie versuchen, die Wirklichkeit und das Erscheinungsbild der Kirche zu ändern.“ Grundsätze, die sich in 50 Jahren ifp nicht geändert haben.

Johanna Kempter

Von

Johanna Kempter

Geboren 1986 in Augsburg, arbeitet beim „Bayerischen Rundfunk“, wo sie auch volontiert hat. Sie ist vor allem für „B5 aktuell“ und als Reporterin im Einsatz. Zuvor studierte sie Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit der Geschichte des ifp. Bei Twitter ist sie als @JoKempter unterwegs.