Vernetzter Vernetzer

Erst Studienleiter, dann auch Geschäftsführer und stellvertretender Direktor: 27 Jahre lang hat Anton Magnus Dorn am ifp Journalistenschüler und Referenten begleitet. Sie erzählen: Von Mut, vergeblichen Provokationen und der richtigen Eis-Mischung.

Von Michael Haas (Stipendiat 2013) und Michael Richmann (Volontär 2013)

Drei Jahre noch, dann hat Anton Magnus Dorn sein persönliches „50 Jahre ifp“-Jubiläum. „Stip 1971“, so steht es im Adressbuch der Absolventen des Instituts unter D wie „Dorn“. Erst der zweite Jahrgang überhaupt an der katholischen Journalistenschule.

Dorn hatte zuvor bereits eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann und eine Ausbildung bei der Polizei gemacht. Doch er wollte in den Journalismus. Auf der Abendschule holte er das Abitur nach, studierte anschließend Theologie, Germanistik und Politologie. Und bewarb sich parallel um die studienbegleitende Journalistenausbildung am neuen Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses.

Ein ungewöhnlicher Weg zum ifp. Nicht weniger ungewöhnlich allerdings, als seine folgende Laufbahn dort. Denn Dorn blieb, auch über die Ausbildung hinaus. 27 Jahre lang arbeitete er an den verschiedenen Standorten des ifp. Kaum jemand hat das Institut so sehr geprägt wie er. Als Studienleiter organisierte er die Ausbildung hunderter Journalistenschüler, gab Ratschläge und vermittelte Jobs. Manche von ihnen wurden später wichtige Redakteure, Reporter oder Korrespondenten, andere bedeutende Pressesprecher. Ab 1985 führte er zusätzlich die Geschäfte des ifp, wurde 1993 stellvertretender Direktor. 2002 verließ er das Institut zwar beruflich, aber nicht privat. Regelmäßig kann man ihn bei den Jahrestreffen und anderen Veranstaltungen treffen. 2012 erhielt er für seine Verdienste um die Journalistenausbildung das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Viel Wichtiges und Historisches ist passiert während seiner Zeit am ifp – am Institut, im Journalismus und in der Welt. Wie aber war der Alltag, wie waren die Kurse, wie die Stimmung an der katholischen Journalistenschule?

Wer heute bei ehemaligen Schülern, Referenten und Kollegen nach ihren Erinnerungen an Anton Magnus Dorn fragt, bekommt viele verschiedene Antworten. Schon im Namen schwingen, so glaubt man, die Eindrücke und Erlebnisse mit: „Dr. Dorn“, heißt es mal, bei anderen „Anton M.“, „Toni“ oder auch ganz neutral „Anton Magnus Dorn“.

Die Menschen, die Dorn am ifp begegnet sind, beschreiben ihn in vielen unterschiedlichen Adjektiven: Pragmatisch sei er, konstruktiv, fröhlich, wertkonservativ, effektiv, souverän, bodenständig, mutig. Wie all das zusammengeht? Die Anekdoten einiger Weggefährten erzählen es.

Vernetzen, vernetzen!

„Wenn Du in Rom bist, dann gehe im I Quattro Mori essen.“ Wenn Anton Magnus Dorn einem etwas rät, ist es immer gut. Es war großartig im Restaurant neben dem Vatikan, in das Toni seine Drehbuch-Autoren bei den Rom-Symposien führte. Mittendrin, und nicht nur dabei! Hier aßen nicht nur die letzten drei Päpste, hier treffen sich die Priester aus aller Welt, hier feiern Pilgergruppen: eine besondere Atmosphäre.

Mittendrin, und nicht nur dabei – Tonis Motto hat das ifp geprägt. „Versuche die besten Kontakte zu bekommen! Das sind Türöffner für den journalistischen Nachwuchs.“ Ja, nichts ist besser, als aus der Erfahrung anderer zu lernen. Ich erinnere mich an meine Ausbildung im ifp: Referenten mit großen Namen, unglaublichem Know-how aus bekannten Redaktionen und Unternehmen. Das hat mich extrem motiviert. In Ludwigshafen im Seminarhaus saß ich nach einem Abendgespräch neben Hans Abich, dem großen Mann des Deutschen Fernsehens. So etwas vergisst man nie.

Fröhlich durchgebissen

Ich kenne Toni Dorn schon aus der Studienzeit an der katholischen Fakultät der LMU in München. Wir hatten gemeinsam den Schwerpunkt bei Prof. Fries in Fundamentaltheologie. Mir hat es sehr imponiert, dass der ehemalige Polizist Anton Magnus Dorn sich auf dem zweiten Bildungsweg für ein Studium der Theologie qualifiziert hat. Grausam, wie junge Menschen sein können, haben wir uns über den Polizisten lustig gemacht. Aber Toni hat sich durchgebissen und sich schnell Respekt verschafft. Als Mitstudent, als Mitstipendiat und als Mitglied in der Gesellschaft Katholischer Publizisten, darunter auch im gemeinsamen Vorstand, habe ich Toni immer als konstruktiv und engagiert erlebt. Sein typisches Lachen zeichnet ihn aus als einen fröhlichen Menschen.

Der informierte Pendler

Das „Baby“ von „Toni“ Dorn war das Studio Ludwigshafen. Zwischen dem ans Heinrich Pesch Haus angebauten Betonbunker mit dem graunoppigen Hartgummiboden im Oggersheimer Windschatten und der Zentrale in München pendelte er hin und her. Oder er war in seiner Finca auf Mallorca. So konnte er sein Motto „Geh net zu Deinem Ferscht (= Fürst), wenn de net gerufen werscht“ am besten verwirklichen, das er sich unter dem von ihm verehrten Direktor Pater Seibel angeeignet hatte. Stets bestens informiert über alles im ifp und in der katholischen Medienwelt, lebte Toni für das Neue: Drehbuch-Autorenwerkstatt, Non-Profit- PR-Ausbildung, TV-Kompaktkurs. Mit seinem Motto ist er sich bis zu seinem Ausscheiden aus dem ifp treu geblieben.

Oh Tannenbaum

Kurz nach Weihnachten 1984. Runder Tisch in der Drachenklause im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen. Vier Seminarteilnehmer grübeln. Morgen soll ein erster Film gedreht werden. Anton M. sagt: „Einen Film über ein christliches Thema, bitte.“ Die Vorschläge aus der Gruppe: Die Produktion von Messwein auf nahegelegenen Weingütern. Da könnten wir probieren. Oder: Der Besuch in einer Oblatenbäckerei. „Alles schon einmal gedreht“, sagt Anton M.

Endlich schlägt einer vor: „Wie entsorge ich einen Weihnachtsbaum?“. Ist das ein „christliches“ Thema? Anton M. wiegt den Kopf. Schließlich stimmt er zu. Das Thema ist neu. Und originell. An die Arbeit! Übermorgen soll der Film im „Offenen Kanal“ des Kabelpilotprojektes Ludwigshafen gesendet werden. Was Anton M. drei Tage später als verantwortlicher Leiter vorgespielt bekommt, ist ein Film in dem ein Tannenbaum in einer Straßenbahn „absichtlich“ vergessen wird, ein anderer in ein Gepäckschließfach eingeschlossen und ein dritter eben mal so über den Zaun zum Nachbarn geworfen wurde. Alles sehr witzig und mit viel Spaß produziert – aber christlich? Anton M. ließ sich nicht provozieren und ohne mit der Wimper zu zucken gab er den Film zur Sendung frei. Da habe ich gedacht: Anton M, das ist doch ein toller souveräner Mann…

Na Mahlzeit!

In den neunziger Jahren – der Urknall in Ludwigshafen war längst verraucht –  hatte Dr. Dorn mich als Trainerin für ein Seminar eingekauft. Beim Kegeln im Pesch-Haus-Keller berichtete er stolz, in der Fernsehregie befinde sich noch ein graues Kästchen mit der technischen Lizenz zum Senden“. Mehrere Tannenzäpfle-Biere später war die Idee einer Co-Produktion von ifp, SWF und Uni Gießen geboren: Stipendiaten, Volontäre und Studierende würden gemeinsam eine Woche lang täglich eine Stunde Fernseh-Magazin aus und für Ludwigshafen senden. Titel: „Mahlzeit“. Dr. Dorn hat trotz aller Unkenrufe („Das klappt nie!“) und Hindernisse (mal fiel zwanzig Minuten der Sender aus) nie der Mut und das Zutrauen zu Studiomannschaft, Teilnehmern und Referenten verlassen.

Schrankwand voller Tagebücher?

Ich weiß leider nicht, ob Anton Magnus Dorn im Sternbild des Skorpions geboren ist. Wenn nicht, erkläre ich ihn zum Skorpion ehrenhalber.

Skorpionen sagt man einiges nach, insbesondere – dass sie nicht vergessen! Das gilt für den Toni und zwar hundertprozentig. Vielleicht hat er eine ungeheure Speicherkapazität in seinem Gehirn oder eine Schrankwand voller Tagebücher. Jedenfalls ist es aussichtlos, ihn mit einem Datum oder einem Ereignis in die Irre zu führen. Toni hat alles irgendwie parat. Bei mehr als 30 Jahren Tätigkeit im ifp hat er gewiss viel über Jahrgänge, Studenten, Absolventen und Referenten zusammengetragen. Erbarmen, wenn es einmal in die falschen Hände fällt.

Keine Experimente

Toni Dorn, der in seinem früheren Leben zunächst Obsthändler, dann Polizist war, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg zum Studium und zur Promotion in Theologie kam, ist immer bodenständig und wertkonservativ geblieben. Das gilt auch für seine Essensgewohnheiten. „Keine Experimente“ lautet hier sein Motto. Er liebt süße Nachspeisen und vor allem Speiseeis. Aber auch bei der Wahl der Geschmacksrichtung ist er nicht sehr experimentierfreudig. So pflegt er immer ein „gemischtes Eis“ zu bestellen, „aber bitte nur Vanille“.