Streifzug durchs Institut

Seit 2008 haust die katholische Journalistenschule im ehemaligen Kapuzinerkloster in der Münchner Isarvorstadt. Ob Kursteilnehmer und Referenten sich wohlfühlen, hängt von vielen verschiedenen Menschen ab. Wir stellen stellvertretend einige vor.

Von Benedict Witzenberger (Stipendiat 2013)

Unterwegs im Erdgeschoss

Die letzten Schritte. Laut rattert der Koffer über das Kopfsteinpflaster, rechts das Pfarrhaus, links das Ziel: ifp, katholische Journalistenschule. Die große hölzerne Türe mit dem modernen schwarzen Rahmen kontrastiert die 160 Jahre alten Klostermauern. Lange haben hier die Kapuziner gelebt, ehe 2008 aus ihrem Gebäude ein modernes Medienzentrum und aus ihren Zellen Hotelzimmer wurden.

Die Türe surrt. Ein Drücken, langsam verklingt der Straßenlärm. Krachend fällt das dicke Holz ins Schloss. Vom grünen Innenhof fällt Licht in den Raum mit den hohen Decken. Platz, viel Platz — das fällt als erstes auf. Dann: Das große Kreuz auf der linken Seite, rechts ein kleiner Blumenstrauß, die Vase präzise auf der Ecke des Empfangstischs platziert.  Die Vorhänge des gläsernen Konferenzraums sind offen, er ist leer. In der Ferne klappert Geschirr. „Ok Tobi! Sebastian Herbert, eben noch auf den Bildschirm fokussiert, legt auf und wendet sich dem Eingang zu.

Sebastian Herbert
Hausmanager

herbert

Nach dem Vorstellungsgespräch im ifp hatte Sebastian Herbert die Bewerbung eigentlich schon abgehakt: Es hieß, die nehmen nur Katholiken – das bin ich nicht.” Trotzdem hat der gelernte Hotelfachmann 2015 den Job als Hausmanager bekommen, das ifp seitdem ein bisschen mehr auf Hotel getrimmt. Mehr externe Buchungen für die Räume im Haus, mehr Aufwand beim Catering von Veranstaltungen, Jahrestreffen finden nun häufiger in Hotels statt.

So auch das 2017. Mehr als 250 ifpler reisten zu Sebastian Herberts Ausbildungshotel nach Potsdam. Jahrestreffen seien eine richtige Herausforderung”, sagt Herbert. Er organisiert sie hauptsächlich. Genießen könne er die Veranstaltung aber auch – sobald sie losgeht. Und dann gibt es immer noch Pannen. In Potsdam tauchten auf einmal mehrere ifpler auf, für die kein Zimmer reserviert war. Herbert organisierte zusätzliche Betten – aufgefallen ist das niemandem. Ursprünglich sollte das Jahrestreffen wegen des Lutherjahres in Wittenberg stattfinden. Dass es dann doch in Sebastian Herberts Heimatstadt verlegt wurde, hatte einen einfachen Grund, erzählt Herbert: „Wittenberg ist zu klein fürs ifp.”

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Hausmanager Sebastian Herbert steht am Empfang des ifp in München
Begrüßt Gäste auch mal direkt an der Tür: Sebastian Herbert

Dajana Dramac
Servicekraft in der Küche

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Sie ist nicht im ifp angestellt und doch verbringt sie den Großteil ihrer Arbeitstage im ehemaligen Kapuzinerkloster. Dajana Dramac arbeitet als Service-Mitarbeiterin in der Küche des Instituts. Sie kümmert sich darum, dass morgens das Frühstück bereit steht, die Kaffeemaschine eingeschaltet ist und das dreckige Geschirr abgespült wird. Vor drei Jahren ist sie aus Kroatien nach München gekommen, seit zwei Jahren arbeitet sie im ifp. Mittags richtet sie das Essen an, das vom Altenheim gegenüber angeliefert wird — von dort, wo sie nachmittags auch arbeitet. Immer wieder sprechen sie die Gäste im ifp an, oft seien sie mit dem Essen zufrieden, sagt Dajana Dramac. Ihr Lieblingsort im Haus ist ganz klar: Die Küche. Dort kann sie ihre Musik anmachen und ungestört arbeiten. Dajana Dramac sagt: „Da bin ich ein bisschen mein eigener Chef.“

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Dajana Dramac steht in der Küche des ifp in München
Sorgt für Ordnung in der Küche und am Buffet: Dajana Dramac

Tobias Schierle
Cutter und Producer

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„Die Kursteilnehmer im ifp sollen sich nicht so viele Gedanken über die Technik machen.” Das ist das Ziel von Tobias Schierle, Cutter und Producer im ifp. Mit Ingo Dieckmann (Bereichsleiter Fernsehen) und Felix Sturm (Auszubildender) bildet er das Technikteam des ifp. Nach 15 Jahren als freier Cutter, vor allem beim Sportfernsehen, kam Schierle 2012 ins ifp. Die Konditionen waren deutlich besser: ein fester Job und familienfreundlichere Arbeitszeiten.

Im Institut kümmert sich Tobias Schierle am liebsten um die Hörfunkkurse. Dort kann er den Teilnehmern den Umgang mit den Aufnahmegeräten und der Studiotechnik beibringen. Sein Höhepunkt im Jahr: Der Hörfunkkurs der Stipendiaten. Da arbeiten die Teilnehmer mit Schierle eine Woche lang zusammen an der Umsetzung mehrerer Radiosendungen. „Da habe ich das Gefühl, ich bin ein bisschen im Team dabei und habe nicht so eine Sonderstellung”, sagt Schierle.

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Bedient am liebsten die Technik im Hörfunkstudio: Tobias Schierle

Auf in den ersten Stock

Ein lauter Rums, auch die Türe zum Treppenhaus fällt krachend zu. Schwer hallen die Schritte im Gang nach, das Geländer schwingt im Takt. Erste Etage, eine weitere Tür. Rums – natürlich. Der Drucker rattert, das Geräusch hallt im langgezogenen Gang wieder. Langsam fällt ein Blatt heraus. „Programm”. Durchs Glasfenster sichtbar: Ein anderer langgezogener Gang, viel schwarzes Holz, schmale Büros. Organisatorisches Zentrum. Ideenschmiede. Werkstatt. Herzkammer, könnte man sagen.

Ein Rattern. Noch mehr Blätter fallen aus dem Drucker. Auf dem Boden liegt Bettwäsche vor jeder Türe. Vor jeder Türe? Nein, ganz hinten ist der Boden frei, die Tür zu Zimmer 07 ist auf. Marion-Dönhoff-Zimmer, ehemalige Chefredakteurin und Mitherausgeberin der „Zeit. Schlichter Stil. Ein Schrank, ein Bett, ein Schreibtisch. Alles schwarz, weiße Bettwäsche. Und in blau: Vesna Stanojevic.

Vesna Stanojevic
Reinigungskraft

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Sie ist die Frau, die am Morgen als erste das Haus betritt. Gegen Viertel nach sechs beginnt Vesna Stanojevic ihren Tag im ifp. Sie reinigt die Zimmer, Seminarräume und aller anderen Bereiche im Haus. Seit zwei Jahren macht sie den Job. Quasi Familientradition, vorher putzte ihre Mutter sieben Jahre lang das ifp. Bis jetzt ist sie sehr zufrieden. Auch wenn das „Wohnzimmer” Kapuzino im Keller nach langen Partynächten manchmal etwas unordentlich aussieht: „So richtig schlimm war es bis jetzt noch nicht.”

Wie lange ihr Arbeitstag dauert ist unterschiedlich: Je nachdem, wie viele Zimmer neu bezogen werden müssen. Wenn Vesna Stanojevic Pech hat, muss sie also auch am Wochenende arbeiten. Und wenn alle 24 Zimmer frisch gemacht werden müssen,versucht Stanojevic eine Kollegin dazuzuholen. Manchmal klappt das aber nicht, dann muss sie die Arbeit ganz alleine machen.

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Vesna Stanojevi
Hat an Abreisetagen viel zu tun: Vesna Stanojevic

Louisa Müller-Gauditz
Sachbearbeiterin

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Louisa Müller-Gauditz ist das Küken in der ifp-Verwaltung, zumindest was die Dauer des Arbeitsverhältnisses angeht. Seit Mai 2017 betreut sie als Sachbearbeiterin die Volontäre an Tageszeitungen und die Ostkurse. Ursprünglich kommt sie aber aus einer anderen Richtung: Sie hat Buchhändlerin gelernt. Wie Müller-Gauditz ins ifp gekommen ist? „Man kriegt Kinder”, antwortet sie – an Wochenenden und am Abend sind die Arbeitszeiten im Buchhandel nicht gerade familienfreundlich. Als Sachbearbeiterin ist das einfacher. Sei es die Korrespondenz mit den Teilnehmern, die Abrechnungen der Kurse, die Essensbuchungen oder die Feedback-Bögen. Das alles lässt sich flexibel erledigen.

Doch auch wenn sie erst so kurz dabei ist – eine unheimliche Geschichte hat Louisa Müller-Gauditz im ifp schon erlebt. Eine Teilnehmerin des Ostkurses antwortete vor Kursbeginn plötzlich nicht mehr auf Briefe und E-Mails. Während des Kurses stellte sich heraus: Der Geheimdienst ihres Landes hatte die Mutter der Teilnehmerin eingeschüchtert, weil diese zum ifp nach Deutschland reisen wollte. Die Ostkurs-Teilnehmerin traute sich nicht einmal mehr, dem ifp abzusagen.

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Louisa Müller-Gauditz steht in der Verwaltung des ifp in München
Beschäftigt sich jetzt mit Buchhaltung statt Büchern: Louisa Müller-Gauditz

Isolde Fugunt
Studienleiterin

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Von der Zeitung ins ifp. Vom ifp an die Uni. Von der Uni ins ifp. So ließe sich der Lebenslauf von Isolde Fugunt extrem verkürzen. Seit 2006 ist sie Studienleiterin für die Stipendiaten. Journalisten-Ausbildung und Organisation – diese beiden Aufgaben kann sie bei der Suche nach Referenten oder der Planung von Seminaren und Praktika für das ifp kombinieren. Auch für die Werbung für das Stipendium oder die Organisation von externen Projekten, wie dem Mediencafé auf dem Katholikentag, ist sie verantwortlich. „Manchmal mache ich etwas anderes als Kaffeetrinken, wie das vielleicht viele Stips denken”, scherzt Fugunt. Tatsächlich hat ihre Lieblingsaufgabe aber doch ein bisschen mit entspanntem Sitzen und Reden zu tun: Wenn Stipendiaten anrufen und um Tipps für Jobs oder die weitere Berufsplanung bitten. „Das ist die Sternstunde der Studienleiter”, sagt Fugunt: „Da kannst Du deine ganze Erfahrung und das Wissen über die Branche einbringen.” Das sei auch ein Vorteil des ifp, sagt Fugunt. Denn Studienleiter, die neben der Organisation der Seminare noch Ansprechpartner für den Berufsweg sind, leiste sich nicht jede Journalistenschule.

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Isolde Fugunt sitzt auf einem Tisch in einem Seminarraum im ifp in München
Ist lieber bei Seminaren im Erdgeschoss als in ihrem Büro: Isolde Fugunt

Margit Kolakowska
Assistentin des Vorstands

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Bevor das ifp mit Kursen und Verwaltung in die Kapuzinerstraße zog, arbeiteten die Verwaltungsmitarbeiter in der Rosenheimer Straße in München. Bereits damals, 2007, begann Margit Kolakowska ihre Arbeit im Institut — zunächst als Sachbearbeiterin für die Volontärskurse. Heute ist sie die Assistentin des Vorstands. Zuständig für die Reisen der beiden Direktoren, die Gremien des ifp, den Görres-Abend, das Adressbuch und den Infobrief. Eine vielschichtige, interessante Arbeit sei das, sagt Kolakowska. Aber: „Man kann nicht so viele Checklisten anlegen wie als Sachbearbeiterin.” Manche Veranstaltungen oder Kurse bietet das ifp Jahr für Jahr an – und die kann man besser planen.

Aus Verwaltungssicht ist das ifp für Kolakowska auch ohne Checklisten ein Traum: „Der Kontakt zwischen Absolventen und Verwaltung gehört hier dazu. Das findet man sonst nirgends.”

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Margit Kolakowska steht in der Verwaltung des ifp in München
Macht keinen Checklisten-Job: Vorstandsassistentin Margit Kolakowska

Fotos: Dieckmann, Leiprecht, Witzenberger (Montage)

Benedict Witzenberger

Von

Benedict Witzenberger

Digitalvolontär und Datenjournalist bei der „Süddeutschen Zeitung”, Stipendiat 2013. Ist Journalist und kann trotzdem Programmieren. Die Ausbildung im Schreiben, Sprechen, Filmen kam vom ifp, die Kenntnisse in den Programmiersprachen R, Python und Javascript aus dem Internet (und ein bisschen aus dem Politikwissenschaftsstudium).