Kardinal Marx und der liebe Gottschalk

Das Jubiläumsjahr beginnt mit hochkarätigen Gästen: Der Münchner Erzbischof und der ehemalige „Wetten, dass..?“-Moderator diskutieren beim Görresabend über ihren Glauben, Werte und die Lage des Journalismus. Auch der Gründungsdirektor kommt zu Wort.

Von Stephanie Albinger (Stipendiatin 2016)

„Neugierde und Lust auf Begegnung mit Menschen“, das bräuchten die Journalisten der Zukunft, sagte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, beim Görresabend des ifp. Der jährliche Termin hatte 2018 einen besonderen Anlass: Gemeinsam mit dem Erzbischof und Entertainer Thomas Gottschalk feierten am 29. Januar etwa 300 Gäste in der Hochschule für Philosophie in München den Auftakt ins Jubiläumsjahr des ifp. Unter der Frage „Reden wir über Gott?!“ sprachen die beiden Männer auf dem Podium unter anderem über das Verhältnis von Kirche und Medien. Anne Reidt, ifp-Absolventin und Leiterin der Hauptredaktion Kultur des ZDF, moderierte die Diskussion.

Die Suche nach der besten Story auf der einen und die Suche nach Gott auf der anderen Seite – der Entertainer und der Kardinal diskutierten über die Digitalisierung, Gottschalks Beziehung zum ifp, die Rolle der Kirche, den Glauben und das Verhältnis von Kirche und Politik. Die beiden Diskussionspartner, mit ihren sehr unterschiedlichen Berufen, waren sich dabei in so manchen Punkten einig. Beispielsweise, dass es viele Veränderungen und Herausforderungen an zukünftige Journalisten gebe. Kardinal Marx betonte immer wieder die Verbindung zwischen der Kirche und den Medien: „Die Kommunikation in der Öffentlichkeit und ob wir einander überhaupt noch verstehen – wenn das zerbrechlich wird, dann sehe ich die Demokratie in Gefahr.“ Deshalb seien die Medien so wichtig, damit die Leute miteinander ins Gespräch kämen und einander verstünden. „Die Welt des Journalismus, die wir zu beherrschen glaubten, gibt es nicht mehr“, sagte Fernseh- und Radiomoderator Thomas Gottschalk, ifp-Absolvent des Jahrgangs 1974.

Impressionen vom Görresabend

Ex-Schüler Gottschalk interviewt Gründungsdirektor Pater Seibel

„Meine Entertainer-Karriere war eine Folge dessen, dass die Journalistenkarriere nicht so richtig funktioniert hat, weil mir der nötige Ernst gefehlt hat“, sagte Gottschalk. „Ich habe, glaube ich, noch nie einen Satz zu Ende gebracht, den ich angefangen habe, aber ich erwecke den Eindruck“, sagte er und sorgte damit, wie so oft an diesem Abend, für viele Lacher bei den rund 300 Gästen. In den Kursen des ifp habe eine „positive, fröhliche und konstruktive Arbeitsweise“ geherrscht und es sei „kein Weihrauch“ zu spüren gewesen, berichtete Gottschalk. Glaube und die Kirche spielten eine Rolle in seinem Leben: „Dieses Fundament, das ich in der Kindheit bekommen habe, wackelt noch nicht“, sagte er. „Ich habe schon versucht, das was ich an Werten mitbekommen habe und was durch das ifp intellektuell verstärkt wurde, auf dem Weg nicht zu verlieren“, sagte Gottschalk. Dem damaligen Leiter des ifp, Pater Wolfgang Seibel, sei er dankbar, dass er ihm die Angst genommen habe, jeden Artikel mit einem Amen beenden zu müssen.

„Seibel-Institut“ – so würden viele das Institut noch heute liebevoll nennen, bemerkte der jetzige journalistische Direktor, Bernhard Remmers, in seiner Begrüßungsrede. Der Jesuit Pater Wolfgang Seibel ist der Gründer und erste Leiter des ifp – und Gottschalk sein Schüler. Als dieser den heute 89-jährigen Jesuitenpater in der Veranstaltung interviewte, betonte auch Seibel selbst die Verbindung von Journalismus und Kirche: Die Kirche müsse spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil immer bemüht sein um Selbstkritik und Reform, sagte Seibel. Wenn Journalisten Zustände in der Kirche kritisierten, dann sollten die Verantwortlichen dankbar dafür sein. Könne die Kirche dann doch zeigen, dass sie tatsächlich zu Selbstkritik und Reform fähig ist, sagte Pater Seibel.

Während der Veranstaltung in München wurde auch der neue Geistliche Direktor des ifp, Bruder Helmut Rakowski, begrüßt. Der Kapuziner präsentierte die digitale Festschrift zur 50-jährigen Geschichte des ifp, in der Menschen von ihren Erlebnissen in der Journalistenschule erzählen. Absolventen und Schüler des Instituts hatten das Webprojekt produziert. Mehr zur neuen Doppelspitze finden Sie in einem weiteren Beitrag auf dieser Seite.

Das Video zur Veranstaltung

Vom Görresabend 2018 gab es bei „katholisch.de“ auch einen Livestream. Via YouTube können Sie sich die ganze Veranstaltung ansehen:

Stephanie Albinger

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Stephanie Albinger

Stipendiatin 2016, studiert Romanistik und Philosophie in München. Stationen außerhalb des Weißwurstäquators bei der „Deutschen Presse-Agentur” in Hamburg und für ein Semester an der Universität Sorbonne in Paris. Machte außerdem Praktika bei der „Süddeutschen Zeitung” und dem „Münchner Merkur”. Schreibt für die Junge-Leute-Seite der „Süddeutschen Zeitung” und ist auf Twitter (@s_albinger) zu finden.