Das Wunder von Westhoven

Vier Jahre lang war Alexander Demling der „Bundestrainer“ des ifp. Er führte das Team 2013 zum größten sportlichen Erfolg der Institutsgeschichte – obwohl das Turnier mit einer Enttäuschung endete.

Von Michael Richmann (Volontär 2013)

Wehmütig trottet Alexander Demling durch den Strafraum. Diesmal muss er keinem jubelnden Gegner hinterherschauen. Diesmal muss er keinen Fans zuhören, die seinem Team nur noch aufmunternd Beifall klatschen können. Diesmal muss er keine Spieler aufrichten, die sich aufopferungsvoll ins Finale gekämpft haben, um dann im Elfmeterschießen zu verlieren. Doch auch diesmal spürt er wieder diese Leere nach dem J-Cup, dem einzigen und damit wichtigsten jährlichen Fußballturnier der deutschen Journalistenschulen. „Ich glaube, es war Mark Twain der gesagt hat: ‚It’s not the size of the dog in the fight, it’s the size of the fight in the dog’“, sagt der „Handelsblatt“-Redakteur.

Als ifp-Bundestrainer führte er das Team 2013 zur deutschen Fußballmeisterschaft der Journalistenschulen. Der Bolzplatz im Kölner Süden, auf dem sonst der SV Westhoven-Ensen seine Heimspiele austrägt, war der Ort seines größten Triumphs und seiner größten Niederlage. Noch nie hatte es eine ifp-Mannschaft so weit gebracht. Erstmals lief das ifp mit stolz geschwellter Brust in den marine-blauen Trikots auf, die Johannes Reichert über den Förderverein organisiert hatte. Nur von der Axel-Springer-Akademie besiegt, ging das Team als Gruppen-Zweiter ins Halbfinale. Gegen die Kölner Journalistenschule. Die ifp-Mannschaft machte ihr bestes Spiel.

Abwehr-Chef Simon Biallowons, Moses Fendel und Max Bolze rührten hinten Beton an. Im Mittelfeld rackerten sich unter anderem Stefan Braig, den beiden Benedikts (Becker & Peters) sowie Katharina Gelhaus ab. Vorne vertraute der Bundestrainer auf die beiden öffentlich-rechtlichen Super-Trickser Nico Fischer (WDR) und Johannes Reichart (BR). Endstand: 2:0.

Im Finale war Demling gefragt – als Torwart und Motivator

Demling, Gelhaus und Co hatten sich in die Herzen der Fans gespielt: „Wir waren ja immer diese etwas wunderlichen Katholiken, die niemand so recht ernst nahm“, erinnert sich Demling, „und plötzlich standen wir im Finale“. Dort traf das ifp auf die Journalistenschüler der Uni Mainz. „Die Mainzer hatten im Vorjahr das Finale im Acht-Meter-Schießen verloren und waren diesmal richtig gepusht, dass sie das Turnier gewinnen wollen – dadurch aber auch ein bisschen unsympathisch.“ Nun war Demling gefragt, als Torwart und Motivator. Vor dem Finale griff er ganz tief in die Trickkiste und zog, nein, nicht die Bibel, sondern Lothar Matthäus, die offizielle Autobiografie von Lothar Matthäus heraus.

Der Trick funktionierte: Das Abwehr-Bollwerk hält dem Mainzer Sturmlauf stand. Im Elfmeterschießen ist es dann Simon Biallowons, der sich den Ball zum entscheidenden Elfmeter zurechtlegt. Simon Biallowons, der die Mannschaft mit seiner starken Leistung durch das Turnier getragen, die Abwehr zusammengehalten und alles weggegrätscht hatte, was Demlings Tor zu nahe gekommen war. Und der sich als leistungsstarker Heckmotor als wichtigstes Element im ifp-Getriebe erwiesen hatte. Doch als jetzt sein Schuss an die Handschuhe des Mainzer Torwarts knallt, sackt Simon Biallowons in sich zusammen. Das war’s.

Jeder haute sich für jeden rein

Die Mitspieler fingen den gefallenen Helden auf. Die Stärke des damaligen und eigentlich aller ifp-Teams unter seiner Ägide sei der „wahnsinnige Zusammenhalt“ gewesen, sagt Demling heute. „Das klingt immer, wie eine Phrase, aber das ifp hatte immer den Nachteil, dass die Spieler nie vorher zusammen trainiert und sich zum Teil nie vorher gesehen hatten, weil sie ja aus der gesamten Republik zusammen kamen. Und trotzdem ist es immer gelungen, die versprengten Leute binnen Minuten zu einer Mannschaft zu formen, wo sich jeder auf jeden verlassen konnte und sich jeder für jeden reingehauen hat.“

Vier Jahre lang führte der damalige „Spiegel Online“-Volontär die ifp-Nationalmannschaft in die Schlacht. Doch an die Leistung von Köln konnte das Team nie wieder anknüpfen. 2015 dann der #Alexit. Der Bundestrainer wollte sich nun anderen Zielen widmen: Dem Berufseinstieg als Redakteur, seinem Engagement beim Förderverein. Zu seinem Abschied standen noch einmal die 2013er-Helden Max Bolze und Nico Fischer parat. Das mit vielen Neuen besetzte Team musste sich letztlich mit Platz acht zufrieden geben. Aber der Teamgeist stimmte: „Diese Mannschaft ist vielleicht nicht auf Jahre hinaus unschlagbar, aber ganz offensichtlich unkaputtbar“, sagte Demling in Anlehnung an den „Kaiser“, Franz Beckenbauer. Es war das Ende einer Ära.

Und die Niederlage? „Ich glaube ich Rückblick, dass es eine bessere Erfahrung war, als wenn wir das Ding gewonnen hätten. Denn jeder liebt den Underdog und so sind wir der Underdog geblieben. Und es gibt auch die bessere Geschichte ab. Es hat ja einen Grund, warum Rocky seinen letzten Kampf gegen Apollo Creed verliert. Und als Journalist, der Geschichten liebt, ist mir sogar ganz recht, dass es so gelaufen ist.“

Michael Richmann

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Michael Richmann

Gibt es eigentlich nur digital. Ausgestattet mit einer vielseitigen KI, versucht er alles Wissen der Welt in sich aufzusaugen. Vor dem Volo hat er seinen Quellcode mit Politikwissenschaft und Geschichte gepatcht. Mit dem ifp-Upgrade und den zusätzlichen Audio-Video-Items hat er Marktreife erlangt und sich auf die SWRsport-Server überspielt. Aktuell durchläuft er die ifp-Führungsakademie, um sich Stück für Stück für Admin-Aufgaben zu qualifizieren. Sein Spezialgebiet sind multimediale Porträts, Reportagen und Hintergrundberichte abseits der Aktualität. Lieblingsthemen: Menschen, die über sich hinauswachsen, Sport als Wirtschafts- und Kultur-System, Transformationsprozesse in Mittel- und Südosteuropa. Hat Facebook, Twitter, Xing und Torial.