Auf der Couch

Für Neues ist das ifp auch mit 50 noch nicht zu alt. Beim Katholikentag in Münster hat die katholische Journalistenschule keinen Stand aufgebaut, sondern ein Mediencafé eingerichtet. Ansatz: Über Qualität und Menschen reden statt über Lügenpresse. Resonanz: Naja.

Von Isolde Fugunt (ifp-Studienleiterin)

Das Mediencafé war ein Experiment. Wir wollten erstens, dass der Katholikentag nicht nur in geschlossenen Räumen für angemeldete Besucher stattfindet, sondern auch ganz normale Münsteraner erreicht. Deshalb haben wir ein Café gekapert, das gut besucht, zentral gelegen und offen für unsere Idee ist. Die Pension Schmidt und ihr Inhaber Niklas Blömeke waren das. Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht genau wussten, auf was sie sich da einlassen würden. Wir wussten es ja selbst nicht so genau. Jedenfalls war die Pension mit den plüschigen Oma-Sofas, dem Dielenboden und der langen Fensterfront genau der richtige Ort für unser Vorhaben – das haben auch diejenigen gesagt, die in den drei Tagen von Donnerstag bis Samstag zu uns ins „Mediencafé Katholikentag“ gefunden haben.

Die Vielfalt der Medienlandschaft sollte sichtbar werden

Wir wollten zweitens, dass im Mediencafé erlebbar wird, wie vielfältig die deutsche Medienlandschaft ist – mit Schwerpunkt auf kirchliche Medien oder Medien, die sich mit Religion und Kirche auseinandersetzen. Wenn alle über Lügenpresse reden, wollten wir über Qualität reden, über spannende Thesen diskutieren, aus ausgezeichneten Texten lesen lassen und mit Journalisten über ihren Berufseinstieg reden. Wir wollten erlebbar machen, wie vielfältig Journalismus ist, wie unterschiedlich Journalisten ticken, dass es DEN Journalisten nicht gibt. Wir wollten zeigen, dass auch Journalisten nur Menschen sind, von denen sich viele jeden Tag darum bemühen, einen guten Job zu machen, denen das manchmal gelingt und manchmal eben auch nicht.

Hat das funktioniert? Jein.

Leere Sofas statt langer Schlangen

Ja, wir haben in den drei Tagen große Vielfalt gezeigt. Über 40 Medienleute kamen in die Pension Schmidt. „Deutschlandfunk“-Redakteurin Christiane Florin las aus ihrem Buch „Der Weiberaufstand“. Felix Neumann von „katholisch.de“erklärte uns, dass sich der Katholikentag im Netz immer mehr in Messenger-Dienste wie Whatsapp zurückzieht. Aus der Multimedia-Redaktion des Katholikentag kamen jeden Tag zwei junge Journalisten, die von den vielen Veranstaltungen erzählten, über die sie berichteten. Für viele Journalisten, Journalistenschüler und Absolventen des ifp hatte sich das Mediencafé zudem schnell als Treffpunkt etabliert. Das war schön. Aber es war eben nicht das eigentliche Ziel. Deshalb lautet die Antwort auf die Frage, ob unser Mediencafé funktioniert hat, auch „Nein“.

Während sich vor den Türen der großen Podien lange Schlangen bildeten, blieben bei uns zu oft die Sofas leer. Da wir nicht im offiziellen Programm des Katholikentag standen, kamen manchmal nur wenige Besucher zu unseren Lesungen oder Gesprächsrunden. Diejenigen, die ihren Kaffee immer in der Pension Schmidt trinken, taten das auch während des Katholikentag – ließen sich aber durch unser Programm nicht stören. Ein Jammer. Unsere Journalisten haben die leeren Reihen mit Fassung getragen und auch für wenige Zuhörer alles gegeben (Danke!). Wir sind dazu übergegangen, immer mehr Veranstaltungen per Facebook live zu übertragen und dort ein Publikum zu finden. Immerhin – am Abend zum Reporter-Slam (Bericht auf realsatire.de) füllte sich das Mediencafé und vibrierte, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war ein kleiner Eindruck dessen, wie es hätte sein können.

Sie finden dieses Fazit ernüchternd? Ich würde es ehrlich nennen. Sagen was ist. Das ist die Aufgabe von Journalisten.

Videos vom Reporter-Slam